DER TEMPELBAU IN DER VIA AURELIANO GALEAZZO

Bei wiederholten Ausgrabungen im Zuge von Bauarbeiten zwischen den Jahren 1983 und 1995 im westlichen Teil der Stadt, zwischen der Via Aureliano Galeazzo und dem Corso Cavour, wurden große Mengen von Mauerreste entdeckt –  die nur in Teilen beschädigt worden sind, durch das Wegnehmen von Steinen in der Spätantike und dem Mittelalter . Bei diesen Mauern handelt es sich ziemlich sicher um eine öffentliche Einrichtung von relevanter Bedeutung. Die Konstruktion kann man mit großer Sicherheit der ersten Epoche der römischen Kaiserzeit (Ende erstes Jahrhundert vor Christus, Beginn erstes Jahrhundert nach Christus) zuordnen.

Zum Zeitpunkt der Entdeckung interpretierte man die Ausgrabung als ein so genanntes Horreum. Das heißt, es soll sich um ein öffentliches Magazin für die Lagerung und Konservierung von Lebensmitteln gehandelt haben. Das scheint aber nicht mit den Dimensionen  und der Architektur des Komplexes samt der reichlichen Dekorationen übereinzustimmen, von denen die Überreste in den Schichten des zusammengestürzten Komplexes gefunden worden sind. Es ist auch die Verwendung von feinem Marmor (weiß und farbig, von dem ein erhebliches Ausmaß aus afrikanischen und griechischen Steinbrüchen importiert wurde) klar erkennbar, der für den Bau von Rahmen, Platten für die Wandverkleidung, Böden, Lisenen und Kapitellen verwendet wurde.

Der gegenwärtige Stand unseres Wissen und wegen der engen räumlichen Nähe, die die Anlage mit dem benachbarten Forum hat ( dessen Reste am angrenzenden Corso Cavour gefunden wurden), lässt die Interpretation zu, dass es plausibel ist, dass es sich vielmehr um einen Bau eines Tempels handeln müsse.

Die Lage des Monuments, welches bei den Ausgrabungen ans Tageslicht gekommen ist,  zeigt in der Tat einen Arkadengang, der über zwanzig Meter lang ist, der durch eine Reihe Pfeiler  in zwei Gänge geteilt ist, von der die Bodenplatten erhalten sind, flankiert von einem großen gepflasterten Bereich, dessen Belag  60 Zentimeter höher ist, als der des Arkadenganges. In diesem Bereich gibt es zwei kleine rechteckige Zellen nebeneinander, von gleicher Größe (sieben mal neun Meter), die nicht miteinander verbunden sind und wahrscheinlich offen in Richtung des gepflasterten Bereichs angelegt waren. Diese beiden Räume könnten wahrscheinlich zur Ausübung des Kultes benutzt worden sein.

Das Fehlen von sicheren Identifikationsdaten erlaubt  es aber nicht, etwaige Hypothesen rund um die Existenz einen Tempel  zu bestätigen, auch wenn das offensichtliche Verhältnis mit dem Platz des Forums und die Gliederung in mehrere Zellen darauf hinweisen könnte,  dass es sich hierbei um die Wiedererkennung eines Kapitols handle. Besser gesagt, könnte es ich um ein Sanktuarium handeln, das der kapitolinischen Trias (Jupiter, Juno und Minerva) gewidmet zu sein scheint.